über uns  |   impressum   |    kontakt
home
print
television

Für schlechtes Wetter gerüstet - 20. März 2008

Peking. Ohne Punkt und Komma Reden. So lautete die Taktik des Nachmittags. Und am Ende konnte sich die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Olympischen Spiele in Peking zufrieden auf die Schulter klopfen. Denn ihre Taktik war vollends aufgegangen. Das Trio auf dem Podium brachte es fertig, in 75 Minuten Pressekonferenz nicht mehr als fünf Fragestellern das Wort zu erteilen - ein PR-technisches Ausweichmanöver der Spitzenklasse. Das Thema des Tages war der olympische Fackellauf, der am 31. März in Peking beginnt und am 8. August mit der Entzündung des Feuers im Olympiastadion enden wird. Auf seinem Rundkurs um die Welt soll das olympische Feuer, das am kommenden Montag im griechischen Olympia entzündet wird und am 31. März in Peking eintrifft, unter anderem auch durch Tibet und seine Hauptstadt Lhasa getragen werden.

BOCOG-Vizepräsident Jiang Xiaoyu
...zum Vergrößern auf das Bild klicken

Da drängen sich viele Fragen auf, nachdem dort bei Protesten gegen die chinesische Regierung in den vergangenen Tagen Dutzende Menschen ums Leben gekommen waren. Vor allem zum Thema Sicherheit. Doch für die meisten Fragen blieb keine Zeit mehr. Geschlagene 55 Minuten dauerte die "kurze Einführung" des Vizepräsidenten des Organisationskomitees BOCOG, Jiang Xiaoyu. Und er machte dabei deutlich, dass die Route auf chinesischem Staatsgebiet genau dort entlang führt, wo China sie als Demonstration seiner Macht sehen möchte; also auch durch Tibet und auch auf den Gipfel des Mount Everest. "Die Vorbereitungen verlaufen trotz der jüngsten Ereignisse reibungslos", sagte Jiang. Er machte sich nicht die Mühe, so zu tun, als könne die Frage nach einer Verlegung in Erwägung gezogen werden.

Dafür ließ der stets sehr deutlich und stets sehr langsam sprechende Jiang kaum ein Detail der Vorbereitungen aus. Beispielsweise, dass das Begleitteam der Fackel auf chinesischem Boden mit dem Flugzeug, dem Zug, Bussen oder Autos unterwegs sein wird. Man bekam das Gefühl, er wolle die Umstände jedes der 137.000 Kilometer des längsten Fackellaufes der olympischen Geschichte einzeln vorstellen. Das garnierte Jiang mit einem wohligwarmen Vokabular. "Friede, Freundschaft und Harmonie" – nur noch Tränen der Rührung fehlten, als er alle Menschen der Welt dazu aufrief, sich "unter der olympischen Flagge und Flamme zu versammeln."

Doch irgendwann mussten die Funktionäre trotz allem Zeitschinden und Schönreden Farbe bekennen. "Wir haben davon gehört, dass es einzelne Gruppen gibt, die mögliche Aktionen gegen den Fackellauf planen. Wir finden, solche Aktionen wären komplett gegen den Geist der Olympischen Spiele", sagte Jiang. Gleichzeitig versicherte er, dass die Provinzregierung in Tibet für einen reibungslosen Ablauf sorgen wird. Auch in anderen heiklen Regionen wie die muslimisch bevölkerte Provinz Xinjiang im Nordwesten, wo kürzlich ein Terroranschlag vorbereitet, aber verhindert worden war, „kann den Fackellauf nichts beeinflussen“, sagte Jiang. Und dennoch sei man für jegliche Notfälle gerüstet. "Für schlechtes Wetter zum Beispiel", so der BOCOG-Vizepräsident. Wenn es also zu stark regnen sollte in Tibet, sei man in der Lage, die Route kurzfristig zu ändern.

Um jeden Preis soll die Fackel auf das Dach der Welt. Der Mount Everest ist der geografische und dramaturgische Höhepunkt der Reise. Der genaue Tag der Gipfelerklimmung ist wegen der unsicheren Wetterlage noch unklar, sie soll aber in jedem Fall im Mai stattfinden. Um Verzögerungen zu verhindern, wird am Fuße des Berges die olympische Flamme auf eine zweite Fackel übertragen, die sozusagen auf ihren Einsatz auf dem Mount Everest wartet, während die herkömmliche Flamme planmäßig weiter getragen wird. China hat den Mount Everest für andere Expeditionen – sogar von nepalesischer Seite - bereits sperren lassen, um jegliche Störaktionen zu verhindern.

<<< zurück