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Selbstmordserie macht Firmenchef ratlos - 27.05.2010

Beim taiwanesischen Elektro-Hersteller Foxconn macht sich Hilflosigkeit breit. Kaum hatte sich Firmenchef Terry Gou öffentlich für die Selbstmordserie in einer Fabrik seines Unternehmens entschuldigt und Besserung der Arbeitsbedingungen gelobt, sprang der nächste seiner Mitarbeiter in den Tod. Es war das zehnte Opfer binnen fünf Monaten. Details über seine Identität wurden zunächst nicht preis gegeben, bestätigten aber die neuerliche Tragödie auf dem Fabrikgelände im südchinesischen Shenzhen. Erst am Dienstag hatte sich ein 19-Jähriger mit einem Sprung aus großer Höhe das Leben genommen.

Der letzte Suizid am Mittwoch erhält eine zusätzliche Symbolik, weil er wie eine Antwort auf die angekündigten Maßnahmen der Firma zur Prävention von Selbsttötungen erscheint. Foxconn-Chef Gou war eigens aus Taiwan angereist, um Hunderten von Journalisten Rede und Antwort zu stehen und sich als aktiver Krisenmanager zu beweisen. Er kündigte unter anderem an, alle Mitarbeiter müssten künftig schriftlich zusichern, sich nicht selbst zu töten. Außerdem seien bereits um alle Gebäude auf dem Gelände Sicherheitsnetze gespannt worden, sagte Guo, ehe wenig später die Nachricht des neuen Todesfalls bekannt wurde und die Ratlosigkeit seiner Worte förmlich entlarvte.

Die völlig wirkunglosen Maßnahmen, um Selbstmordwillige an ihrem Unterfangen zu hindern, flankierten die örtlichen Behörden mit einem ebenso absurden Aufruf. Der Generalsekretär der Regierung in Shenzhen appellierte an alle Foxconn-Mitarbeiter, das Leben zu schätzen und stark zu bleiben. Ein gut gemeintes „Kopf hoch“ an alle Depressiven würde wohl ebenso jegliche Wirkung verfehlen. Immerhin will Foxconn auch die Gehälter erhöhen und die Kommunikation unter den Mitarbeitern mit Hilfe von Arbeitsgruppen fördern.

Doch so einfach sind die Probleme, die die Mitarbeiter offenbar reihenweise in den Freitod treiben, nicht zu lösen. Kommunikation ist nur möglich, wenn genügend Zeit zur Verfügung steht. Die am schlechtesten bezahlten Mitarbeiter jedoch sind in chinesischen Fabriken grundsätzlich diejenigen, die am meisten Überstunden schieben. Nur so können sie ihre mickrigen Mindestgehälter von zurzeit 850 Yuan im Monat, umgerechnet rund 100 Euro, auf zumindest gut 200 Euro erhöhen. Um den Menschen ausreichend Zeit zur seelischen Entlastung zu bieten, müssten die Gehälter deutlich aufgebessert werden, um den Reiz der Überstunden zu nehmen. Doch dann würde Foxconn mit seinen insgesamt 800.000 Angestellten sofort seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Denn der Markt für Firmen in China, die im Auftrag führender Elektronik-Konzerne aus aller Welt deren Produkte zusammensetzen, ist gnadenlos umkämpft, weil lukrativ.

Doch Foxconn muss Lösungen anbieten, um seinen internationalen Kunden wie Apple, Hewlett-Packard, Sony, Dell oder Nokia nicht zu vergraulen. Denn schlechtes Image wollen die Big Player unbedingt vermeiden. Foxconn wurde zwar in den vergangenen beiden Jahren von Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam Hongkong als sozial verantwortlich eingestuft, unter anderem weil es auf dem Firmengelände Sport- oder Einkaufsmöglichkeiten eingerichtet hat. Dennoch machen sich die Partner im Ausland wegen der Selbstmordserie ernste Gedanken. Apple hat bereits neue Untersuchungen angekündigt. Bereits vor zwei Jahren war der US-Konzern, der sein iPhone von Foxconn herstellen lässt, gemeinsam mit dem taiwanesischen Partner in die Kritik geraten. Missbrauch der Arbeitskräfte lautete damals der Vorwurf, der sich offiziell zumindest nicht verhärtete. Apple räumte in einem eigenen Bericht lediglich ein, dass es vereinzelt Mitarbeiter gebe, die zu wenig freie Tage hätten und zu viele Überstunden machten.

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