
Raue Spiele - 14.05.2008
Es fließen reichlich Tränen in diesen Tagen in
China. Aber Chinesen jammern nicht. Sie weinen um die Toten des Erdbebens
– keine Frage.
Aber
sie bedauern sich nicht selbst, oder fragen sich ständig, weshalb das
Schicksal ausgerechnet sie derart hart getroffen hat. Dieser Wesenszug ist
sehr angenehm an diesem Land und seinen Menschen, weil immer eine gewisse
Lebensfreude in der Luft liegt.
Und so kommt es vor, dass man durch eine Stadt im Erdbebengebiet läuft und breit lächelnde Leute trifft. Und wegen ihrer angeborenen riesigen Neugier drängen diese einen vielleicht sogar dazu, sich gemeinsam mit ihnen vor ihre Notunterkunft in Form einer Matratze samt Plane zu setzen, um ein Gläschen Schnaps mit ihnen zu trinken. Auf die deutsch-chinesische Freundschaft sozusagen. Oder auf deutsche Autos. Oder auf den Fußballkaiser „Beckörbauör“. Egal. Man darf aber ablehnen. Auch als Ausländer.
In diesem Land finden in weniger als drei Monaten die Olympischen Spiele statt. Die Herren der fünf Ringe könnten sich glücklich schätzen über diese Wahl, wenn nur diese verfluchte Politik nicht wäre. Denn wenn nur der Otto-Normal-Chinese diesen Spielen seinen Stempel aufdrückte, dann würden es raue, aber herzliche Spiele.