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Baidu verhöhnt Google - 22.01.2010

Peking. Unterstützung von der chinesischen Zensurbehörde kann der Internetkonzern Google bei der Suche nach Spionen im eigenen Haus offenbar nicht erwarten. Zumindest werden seit einigen Tagen Internetseiten geblockt, die sich mit dem delikaten Fall befassen. Die Zensoren sperren Seite, auf denen über die Aussage eines vermeintlichen Mitarbeiters von Google China diskutiert wird. Die Person beschuldigt chinesische Behörden, einen ehemaligen Staatsdiener bei Google China eingeschleust zu haben. Der Maulwurf soll Daten ausspioniert und weitergeleitet haben, mit deren Hilfe die Email-Konten von Google-Kunden geknackt werden konnten. Zwei weitere Google-Mitarbeiter soll der Spion zur Weitergabe geheimer Daten überredet und ihnen jeweils eine Million Yuan, rund 100.000 Euro dafür gezahlt haben.

Die Quelle gibt zudem Einzelheiten über den Lebenslauf des angeblichen Spions. Unter anderem heißt es, dieser habe an der Jiao Tong Universität in Shanghai seinen Abschluss gemacht und später für eine Abteilung der Staatssicherheit gearbeitet. Der Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen ist zunächst einmal nicht nachzuprüfen. Doch offenbar hat sich Google tatsächlich auf die Suche nach einer undichten Stelle in den eigenen Reihen gemacht, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Mancher aber glaubt, dass die Suche nach einem Maulwurf lediglich eine PR-Strategie von Google sei, um einen halbwegs eleganten Weg zu finden, seine Geschäfte in China doch fortzusetzen. „Mit der Strategie die Schuld nun in den eigenen Reihen zu suchen, will Google die Angelegenheit etwas abkühlen“, sagte Li Zhi von der Technologie-Beratung Analyst International in Peking der chinesischen Tageszeitung Global Times. Tatsächlich hatte Google am Wochenende Berichte dementiert, nach denen die Entscheidung für den Rückzug bereits gefallen sei. Zuvor hatte der Konzern gemutmaßt, die chinesische Regierung könnte hinter Hacker-Angriffen auf das Unternehmen stehen. Außerdem hatte Google angekündigt, die ständigen Auflagen durch die Zensur der Kommunistischen Partei nicht länger hinnehmen zu wollen.

Für Googles größten Konkurrenten im Reich der Mitte wäre ein Verbleib von Google in China durchaus von Vorteil, glauben Experten. Die Suchmaschine Baidu.com verzeichnet 63 Prozent Marktanteil und würde zwar eine echte Monopolstellung erlangen, wenn die Amerikaner ernst machen sollten. Doch die langfristigen Folgen beurteilen Beobachter für Baidu als schädlich. „Es gäbe keinen echten Konkurrenten mehr, und es würde keine Notwendigkeit für neue Entwicklungen bestehen“, sagt Bo Ziqin vom E-Commerce-Forschungszentrum in Hangzhou. Für die internationalen Ambitionen von Firmengründer Robin Li könnte eine solche Stagnation als Bremsklotz wirken. Dabei will Li die Welt erobern.

Bei der Party zum 10. Geburtstag seiner Suchmaschine am vergangenen Samstag schmiedete er große Pläne. In den kommenden zehn Jahren soll das Unternehmen zu einem Global Player heranwachsen, der dann nicht nur chinesischen Kunden den Weg durch das Netz weist, sondern potenziellen Zugang zur Hälfte der Weltbevölkerung besitzt. Der Jahresumsatz von Baidu könne um ein Vielfaches auf weit über eine Milliarde Euro klettern. Weltmarktführer Google schenkte Li während seiner Vision nur ein müdes Lächeln. Die Amerikaner bildeten nicht mehr als Staffage auf dem Weg von Baidus Aufstieg, prahlte Li bei den Feierlichkeiten mit seinen Angestellten.

Doch Experten sind skeptisch. „Baidu ist für Google international keine Konkurrenz. Google ist eine High-End-Suchmaschine, Baidu nicht“, sagt Lin Juan vom Technologie-Forschungsunternehmen Wegde MKI in Peking. Der Erfolg von Baidu in China basiert auf mehreren Säulen. Gegenüber Google hat die Firma einen Vorsprung von sechs Jahren. Hinzu genießt Baidu auf dem chinesischen Markt Heimrecht, was eine gute Kenntnisse der Bedürfnisse der Kunden garantiert. Große Marktanteile räumte Baidu mit der Verlinkung von Internetseiten ab, auf denen illegal Musik heruntergeladen werden kann. Außerdem wird dem Unternehmen eine große Bereitschaft nachgesagt, die Zensur-Vorgaben der chinesischen Regierung zu erfüllen. „Obwohl auch Google zensieren muss, sind die Resultate nicht so oft manipuliert wie bei Baidu“, sagt Lin. Gerade auch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Regierung gilt in China stets als gesunde Basis für gute Geschäfte, unabhängig vom Industriezweig.

Chinesische Nutzer müssen befürchten, dass ihnen eine Monopol-Suchmaschine im Land Inhalte vorsetzt, die vor allem von der Werbeindustrie diktiert sind. Denn als nahezu einzige Anlaufstelle im Netz könnte Baidu die prominentesten Treffer für viel Geld verkaufen. Ein ähnlicher Trend war vor dem China-Start von Google im Jahr 2006 schon einmal erkennbar. „Die Resultate mit Informationsgehalt waren damals bei Baidu schwer zu finden“, sagt Fachfrau Lin von Wedge MKI.


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