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Von Optimisten und Pessimisten - 23.12.2009

Peking - Männer müssen einiges bieten, um auf dem hart umkämpften chinesischen Heiratsmarkt als gute Partie zu gelten. In der nach Wohlstand strebenden Volksrepublik zählt ein eigenes Apartment für viele Frauen als Mindestvoraussetzung, bevor sie sich für die Ehe hergeben. Teile der chinesischen Immobilienbranche sehen darin einen lukrativen Zukunftsmarkt. Denn es gibt Abermillionen junger Männer, die in den nächsten 20 Jahren Wohnungen kaufen müssen in den 175 Millionenstädten des Landes, wenn sie eine gute Chance bei Frauen haben wollen. Am Immobilienmarkt zerstreuen solche Perspektiven die Angst vor dem Platzen einer Blase.

Die Optimisten stützen ihre Zuversicht aber nicht nur auf die einsamen Herzen. Die Urbanisierung im Reich der Mitte nimmt gerade erst Fahrt auf. Wenn das Wachstum stabil bleibt, werden geschätzte 300 Millionen Menschen in den nächsten 10 Jahren ihren ländlichen Wohnsitz aufgeben und ihr Glück in den Molochen versuchen. Die Leute müssen irgendwo untergebracht werden. Und deshalb fürchtet manch einer sogar, das Angebot an Wohnfläche werde in Zukunft gar nicht ausreichen. Weshalb soll man sich also Sorgen machen über eine Blase?

Diese Frage können die Pessimisten beantworten. Sie warten förmlich darauf, dass die Katastrophe losbricht. Die Völkerwanderung, so argumentieren sie, setzt sich schließlich nur schrittweise und langfristig fort. Deswegen ist es ausgeschlossen, dass sie die Lösung sein kann für ein akutes Problem. Dieser Ausweg hat schon in den USA und Europa zu Zeiten der Urbanisierung im 19. Jahrhundert nicht funktioniert, als die Immoblienblasen platzten. Denn jetzt klettern die Preise drastisch und in ungesunde Höhen, und jetzt gibt es einen riesigen Leerstand. Was soll der chinesische Bauer daran ändern, der in zehn Jahren umsiedelt?

Blasen existieren in etlichen Branchen in China, sagen die Ökonomen, aber die am Immobilienmarkt sei die bedrohlichste. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Die enorme Kreditvergabe in China seit Ausbruch der Finanzkrise liefert den Nährboden. Viel Geld, das in die Real-Wirtschaft fließen soll, investieren Manager lieber in Immobilien: Die Preise steigen. Hinzu kommt das Problem, dass chinesische Privatleute nicht nach Belieben ihr Geld im Ausland investieren können, weil der Staat das nicht will. Zwangsläufig reduziert sich die Zahl der Investitionskanäle im Reich der Mitte. Aktien können in China ein riskantes Unterfangen sein. Anleihen sind langweilig. Also pumpen viele wohlhabende Chinesen ihr Geld in Immobilien: Die Preise steigen weiter.

Die Pessimisten fragen sich nun, wer soll diese steigenden Preise bezahlen? Die Migranten vom Land können es nicht, glauben sie, weil die Einkommen der privaten Haushalte schlicht zu gering sind. Deswegen werde eine platzende Blase großen Schaden anrichten, lautet die Prognose. Investoren werden ihr Geld zurückziehen, weswegen Bauprojekte gestoppt oder gar nicht erst begonnen werden, worauf unzähligen Arbeitern die Entlassung droht. Das wiederum ist ein Horrorszenario für die chinesische Regierung, die soziale Unruhen fürchtet, wenn die Menschen massenweise ohne Arbeit sind. Interessant ist die Frage, was die Kommunistische Partei tun würde, wenn die Blase platzt. Experten vermuten, sie würde mit aller Macht die Lust auf Investitionen wieder ankurbeln – mit Subventionen aller Art. Das aber würde das Problem nur in die Zukunft verlagern. Denn wenn weiter investiert wird, obwohl der Bedarf nicht da ist, dann entstehen Überkapazitäten. Die langfristige Schäden sind möglicherweise noch dramatischer.

All das wissen die Chinesen. Ihre Strategie wird also sein, das Platzen einer Blase zu verhindern. Und genau das versucht die Regierung, indem sie immer und immer wieder gebetsmühlenartig auf die große Gefahr hinweist. Denn nur so kann sie die Begeisterung der Anleger für Immobilien eindämmen und den Markt abkühlen. Ob die Gefahr tatsächlich so akut ist, wie die Regierung über hohe Funktionäre und die Medien regelmäßig verlauten lässt, scheint deswegen zumindest fraglich zu sein. Untergangsszenarien im Zusammenhang mit chinesischen Märkten, gerade auch dem Immobilienmarkt, wurden in den vergangenen Jahren zur Genüge gezeichnet. Nur hat der Markt dann häufig nicht so reagiert, wie es vorausgesagt wurde, oder sich schnell wieder berappelt. Das bedeutet nicht, dass die Gefahr einer platzenden Blase vom Tisch ist, aber Hysterie ist völlig unangebracht.

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