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Die Wirtschaftsolympiade - 07.07.2009

Peking. Chinesen lieben Rekorde. Das gilt besonders für solche, die sie selber aufstellen. Die Expo 2010 in Schanghai kommt wie gerufen für neue Bestmarken „made in China“: die meisten Aussteller, die größte Fläche und natürlich die meisten Besucher. 70 Millionen Menschen werden im kommenden Jahr zwischen dem 1. Mai und dem 31. Oktober zur Weltausstellung erwartet. Das sind zwei Millionen mehr, als 1970 im japanischen Osaka dabei waren. Erfahrungsgemäß verfolgen Chinesen ihre Ziele entschlossen und mit viel Einfallsreichtum, weswegen man davon ausgehen kann, dass sie auch den Zuschauerrekord von Osaka knacken. Notfalls auch indem die Landbevölkerung mit Freikarten versorgt und in Bussen nach Schanghai gekarrt wird, ähnlich wie bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking.

Angesichts möglicher Parallelen zwischen den Großereignissen haben einige chinesische Zeitungen die Expo bereits zu den Olympischen Spielen der Wirtschaft erkoren. Bei der Expo gibt es zwar keine Goldmedaillen zu gewinnen, aber ein Signal zu setzen. Es lautet: Hier kommt das ökonomische Schwergewicht des 21. Jahrhunderts. „Die Expo soll die große Entschlossenheit demonstrieren, mit der sich China in die Weltwirtschaft einbringt“, sagt Professor Zhang Yuan vom Wirtschaftsforschungs-Zentrum der Fudan-Universität.

Huang Pu Huang Pu Fluss in Shanghai
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Das Expo-Budget liegt mit gut drei Milliarden Euro sogar über dem der Olympischen Spiele. Dazu gönnt sich Schanghai ein Make-up im Wert von gut 32 Milliarden Euro. Es entstehen zwei neue Flughafen-Terminals, neue Hotels, neue U-Bahnlinien, neue Parks, neue Brücken und eine neue Promenade an den Ufern des Huang Pu, jener Fluss, der Stadt und Expo-Gelände teilt. Leidtragende sind 18.000 Familien, die umgesiedelt wurden. Der Aufwand ist derart gewaltig, dass sich Schanghai jede Kritik oder Ablehnung verbittet.

Wer nicht mitmacht, ist ein Spielverderber und muss mit Konsequenzen rechnen. Die USA beispielsweise haben noch immer nicht genug Geld gesammelt, um den Bau ihres Pavillons finanzieren zu können. „Wenn die USA fernbleiben, dann werden ihre Interessen in China beschädigt“, hieß es kürzlich in einem Leitartikel der staatlichen Tageszeitung China Youth Daily. Staatliche Finanzierung der Expo-Auftritte wie in Deutschland sind in den USA gesetzlich verboten. Die benötigten 61 Millionen US-Dollar müssen ausschließlich aus privaten Taschen fließen.

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte bei ihrem China-Besuch im Februar bereits den dezenten Hinweis erhalten, eine Nichtteilnahme in Schanghai käme einer Brüskierung der Chinesen gleich. Die Frist zur Anmeldung für den Bau eines eigenen Pavillons lief Ende Juni offiziell aus. Doch China kommt den USA entgegen. „Eine solche Frist gibt es in unserem Fall nicht“, sagte eine Sprecherin des US-Pavillons der Süddeutschen Zeitung. Man sei zudem optimistisch, bald weitere Sponsoren zu finden.

Dem Wirtschaftsministerium in Berlin als verantwortliche Institution hinter dem deutschen Pavillon bleibt müßiges Klinkenputzen erspart. Den 30-Millionen-Euro-Prachtbau mit dem Namen „balancity“ und seine sechsmonatigen Betriebskosten finanziert der Steuerzahler. Auf 6000 qm Baufläche haben Arbeiter 1200 Tonnen Stahl zum größten deutschen Expo-Auftritt der Geschichte zusammen geschraubt, der die deutschen Vorstellungen eines menschenfreundlichen Stadtlebens darstellen soll. Anlass genug, um am Mittwoch ein Richtfest zu feiern.

„Wir wollen dem Anspruch der Chinesen natürlich gerecht werden“, sagt Pavillon-Pressechef Guido Gudat. Und, „klar“, man hofft auf „neue Wirtschaftspartner“. Die Gastgeber wissen sicherlich zu schätzen, wenn eifrige Expo-Teilnehmer wie Deutschland dem chinesischen Marsch in die Rekordbücher zuarbeiten. Noch dazu in Zeiten weltweiter Wirtschaftsflaute, in denen Regierungen jeden Cent zweimal umdrehen, ehe sie ihn in ein Gebäude investieren, das nach einem halben Jahr Nutzung wieder in seine Einzelteile zerlegt wird. Frankreich scheint übrigens genauso engagiert zu sein. Mit den Deutschen diskutiert man, wer im vergangenen November als schnellste Nation den ersten Spatenstich setzte. Es steht Aussage gegen Aussage.

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