
Thailand: Schweigender Monarch - 14.04.2009
Auf thailändischen Märkten geht der König des Landes weg wie warme Semmeln. Rund um einen Wühltisch in der Hauptstadt Bangkok herrscht dichtes Gedränge, als verteile jemand kostenlos Warengutscheine. Verkauft werden Bilder des Königs und ein paar seiner Angehörigen. Es gibt sie im Kleinformat aber auch in Postergröße. Solche Fotos schmücken Wände von Banken oder Restaurants, oder zieren die Kommoden in privaten Wohnzimmern im ganzen Land. König Bhumibol Adulyadej gilt als eine Art Heiliger bei großen Teilen seines Volkes
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Mauer des Schweigens: Königspalast in Bangkok |
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Die Rolle des Staatsoberhaupts kritisch zu hinterfragen in Thailands konstitutioneller Monarchie, in der ein König prinzipiell wenig entscheiden, aber bestenfalls viel Einfluss auf sein Volk nehmen kann, sollte man in der Öffentlichkeit vermeiden. Die strengen Gesetze verbieten jedes schlechtes Wort über Bhumibol und machen auch vor Ausländern keinen Halt. Wer den König, seine Familie oder selbst seine Berater beleidigt oder in Frage stellt, muss mit mehrjährigen Gefängnisstrafen rechnen. Wahrscheinlich hat sich deswegen noch niemand beschwert, dass der König immer noch schweigt in diesen Tagen. Dabei steht sein Land Kopf, und viele glauben, nur er könne es zur Vernunft bringen. Doch der König schweigt.
Er schaut dabei zu, wie sich sein Land binnen weniger Monate radikalisiert hat. Der vermeintliche Kampf um Demokratie in Thailand hat seit Oktober 2008 vornehmlich auf den Straßen der Hauptstadt bereits eine Handvoll Menschenleben gefordert. Ein Krawallmacher hat jetzt zum Mord am Premierminister aufgerufen. Und von jenseits der Landesgrenzen peitscht ein alter Bekannter die sozial Schwachen der Bevölkerung zur Revolution an. Ex-Premierminister Thaksin Shinawatra wittert seine Chance zum Comeback.
Im Wahrheit geht es um einen Machtkampf zwischen den Roten und den Gelben. Die Roten stellen die Anhänger von Thaksin dar. Der ist zwar durch und durch korrupt und wird nach Meinung seiner Gegner von einer kriminellen Energie getrieben, hat sich aber durch die Einführung einer Krankenversicherung oder Bargeldzahlung die Unterstützung der armen Landbevölkerung gesichert.
Die Gelben spielen derweil die Anhänger des Bürgertums und dessen Ausläufer. Deren oberste Vertreter gelten als genauso korrupt wie der Kreis um Thaksin und wollen mit aller Macht verhindern, dass sie ihre traditionelle Kontrolle wichtiger und einflussreicher Posten am Königshof oder in staatlichen Institutionen verlieren. Sie haben aber in den vergangenen Jahren vergessen, der Landbevölkerung hin und wieder einen Knochen hinzuschmeißen, weswegen sie inzwischen als Außenseiter bei etwaigen Wahlen gelten.
Gegenseitig sprechen sich die beiden Gruppierungen nun regelmäßig die Legitimität ihrer Regierung ab und jagen sich abwechselnd aus der Verantwortung. Zurzeit stellen die Gelben die Regierung und die Roten sorgen für Krawall, weil sie sich um ihren Wahlsieg im Dezember 2007 betrogen fühlen. Für die Gelben steht fest, dass es Wahlbetrug war. Deswegen hatten sie im Dezember wochenlang den Flughafen in Bangkok lahm gelegt. Sie bekamen ihren Willen. Die Wahlkommission des Landes zwang die Regierungspartei wegen Wahlbetrugs zur Auflösung, und das Parlament musste einen neuen Premierminister wählen. Genügend Abgeordnete wechselten kurzfristig das Lager und hievten den amtierenden Oppositionschef Abhisit Vejjajiva als Favorit der Gelben in den Sitz des Premierministers. Seitdem gehen wieder die Roten auf die Barrikaden, und die Eskalation nimmt ihren Lauf.
Mittendrin steckt auch noch das Militär, das sich auf die Seite der Gelben schlug und im Jahr 2006 gegen Thaksin putschte, ihn entmachtete und damit das politische Chaos in Gang setzte. Man habe der ausufernden Korruption ein Ende bereiten wollen, hieß es. Thaksin lebt seitdem überwiegend im Exil. Den erneuten Wahlsieg seiner Anhänger mehr als ein Jahr später konnte der Putsch nicht verhindern.
Die Frage nach der Legitimität bleibt die Frage nach der Henne oder dem Ei. Wer war zuerst da? Es ist müßig eine Antwort zu suchen, weil die Fronten verhärtet sind. In einer Wettbewerbsdemokratie wie in Thailand geht es darum zu gewinnen und nicht darum, gemeinsame Lösungen zu finden. Umso wichtiger wäre es, dass König Bhumibol endlich versuchen würde, seine Landsleute zur Vernunft zu bringen. Doch er schweigt. Ist er todkrank, hilflos oder feige? Ist er zur Marionette degradiert im Spiel um die Macht? Die Diskussion darüber bleibt in Thailand strengstens verboten.